9. Bundesweite Fachtagung Erwachsenen-Streetwork

Teilhabe braucht Einmischung
Adressat:innen stärken, Streetwork weiterdenken
23.09. - 25.09.26
Nürnberg
Teilhabe braucht Einmischung
Adressat:innen stärken, Streetwork weiterdenken
Nürnberg
Tagungsthema
Teilhabe ermöglichen, Beteiligungsformate durchführen, Peer-Arbeit stärken – überall zu lesen, überall gemacht. Aber was meinen wir damit eigentlich?
Gemäß den Standards der BAG Streetwork „handeln die Fachkräfte im Verständnis einer parteilichen Interessenvertretung insbesondere für benachteiligte und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzte, von Ausgrenzung bedrohte sowie sich selbst ausgrenzende Menschen.“
Bei der diesjährigen Tagung wollen wir uns daher mit dem großen Feld "Teilhabe und Beteiligung" im Kontext Straßensozialarbeit auseinandersetzen.
In Vorträgen und Workshops werden wir den Blick dabei nicht nur auf die Teilhabe und Einbindung von Adressat:innen richten, sondern uns auch mit unserer eigenen Bereitschaft und Verantwortung zur aktiven Teilhabe und Beteiligung am Arbeitsfeld, den Prozessen und der Weiterentwicklung im Streetwork befassen.
An drei Tagen wollen wir mit euch diskutieren, was Teilhabe und Beteiligung für uns und die Adressat:innen bedeutet. Bieten die verschiedenen Konzepte echte Teilhabe oder sind sie nur ein Feigenblatt? Wie gehen wir mit Macht- und Hierarchiestrukturen um? Was macht gute Peer-Arbeit aus und was bedeutet dies auch für die Arbeit der Fachkräfte? Wie beteiligen wir uns als Streetworker:innen aktiv am Arbeitsfeld? Welche Rollen, Aufgaben und Haltung übernehmen wir als Fachkräfte? Was sind Best-Practice Beispiele und wie lassen sie sich ggf. auf lokale Gegebenheiten anpassen und umsetzen?
In diesem Jahr gibt es außerdem ein Novum: Da sich in Nürnberg leider kein Träger als Kooperationspartner finden konnte, wir den Süden aber gerne auch mal an der Tagung teilhaben lassen wollten, beteiligen wir dieses Jahr angehende Sozialarbeiter:innen der Technischen Hochschule Nürnberg. Im Rahmen ihres Schwerpunktseminars sind für dieses Jahr daher sieben Studierende Teil unserer Orga-Crew.
Wir freuen uns auf drei spannende und diskussionsreiche Tage mit euch!
Veranstaltungsort
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Vorträge
Der Vortrag setzt sich kritisch mit gängigen Vorstellungen von Partizipation in der Sozialen Arbeit auseinander. Partizipation erscheint dabei häufig als Beteiligung innerhalb vorgegebener institutioneller Strukturen, während Definitionsmacht und Handlungsmöglichkeiten ungleich verteilt bleiben. Demgegenüber entwickelt der Vortrag eine Perspektive „from below“, die die bereits existierenden sozialen Praktiken, Formen gegenseitiger Hilfe und Selbstorganisation der Menschen in den Mittelpunkt rückt. Ausgehend von Konzepten wie hilfreichen Gruppen, Mutualität und politischer Produktivität wird Partizipation nicht als bloße Mitwirkung, sondern
als gemeinsame Veränderung sozialer Situationen verstanden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie andere Formen des Gesellschaftlichen entstehen können.
Dr. Marcus Hußmann ist Professor für Soziale Arbeit an der Ev.
Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie / Rauhes Haus in Hamburg. Zu
seinen Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. Jugendhilfeplanung,
Sozialräumliches Handeln, Praxisforschung sowie Theorien der Sozialen
Arbeit.
Im Rahmen des sogenannten "Tripelmandat" der Sozialen Arbeit würde sich die Möglichkeit eröffnen professionelles Handeln nicht nur auf die Unterstützung einzelner Adressat*innen zu richten, sondern auch
gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen kritisch zu reflektieren und aktiv mitzugestalten. Damit verbunden ist die grundlegende Frage nach dem politischen Auftrag Sozialer Arbeit und den
Chancen einer politisch verstandenen Profession. Gleichzeitig besteht innerhalb der Disziplin weiterhin ein breiter Diskussionsbedarf über Formen, Reichweiten und Grenzen zu diesem Verständnis des politischen Handelns. Vernetzung und kollektive Interessenvertretung schaffen zwar Beteiligungsmöglichkeiten, die über das individuelle Fallhandeln hinausgehen. Zugleich stellt sich die Frage, inwieweit Soziale Arbeit als Teil bestehender gesellschaftlicher Systeme diese auch kritisch
herausfordern (und verändern) kann oder ob politisches Handeln im bestehenden System zwangsläufig am Verändern von Verhalten und nicht
das Verändern von Verhältnissen ausgerichtet ist.
Prof. Dr. Jutta Harrer-Amersdorffer (B.A./M.A. Soziale Arbeit) kommt beruflich aus dem Bereich der stationären Jugendhilfe und beschäftigt sich vor allem mit Fragestellungen der Professionalisierung und
Disziplinbildung Sozialer Arbeit auch unter Berücksichtigung der Adressat*innenperspektive.




